Lizenz zum Einkaufen

Wenn Unternehmen Produkte und Dienstleistungen weltweit einkaufen, erhöht sich auch die Zahl der Daten, die es zu verarbeiten und auszuwerten gilt. Das heißt, die Komplexität der Einkaufsprozesse steigt. Eine Einkaufs-Balanced Scorecard erleichtert es Unternehmen, den Einkauf professionell zu managen und zu steuern.

Der weltweite Einkauf...

...gehört heute zum Tagesgeschäft von vielen Unternehmen und unterstützt sie beim Erzielen von Einsparungen. Diese Entwicklung bringt eine neue Dynamik ins Einkaufsumfeld. Denn mit der wachsenden Reichweite des Einkaufsmarkts und den Fortschritten der Informationstechnologie steigt die verfügbare Datenmenge sprunghaft an. Und der Einkauf erlangt einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil, der sich diese Informationsressourcen zunutze macht.

Um der Datenmasse Herr zu werden und frühzeitig über neueste Markt- und Produkttendenzen informiert zu sein, reicht der Einsatz herkömmlicher Kennzahlen nicht aus. Kennzahlen, die zu Zeiten eines begrenzten und stabilen Wirtschaftsumfelds noch zuverlässig ihren Dienst erwiesen, wirken heute oft statisch und vergangenheitsbezogen, denn sie spiegeln nur einen kleinen Ausschnitt der Unternehmensrealität wider. Außerdem sind sie oft kontraproduktiv für eine effiziente Einkaufssteuerung. Doch wie sieht ein modernes Kennzahlensystem aus, das einen verlässlichen Überblick über den Einkauf und den Einkaufsmarkt verschafft, den Entscheidungsprozess unterstützt und bei der Definition von Einkaufszielen hilft? Funktionsübergreifend hat sich insbesondere in global agierenden Unternehmen die Balanced Scorecard (BSC) als Instrument zum Steuern komplexer Prozesse und zum Erreichen definierter Ziele bewährt. Folglich liegt es nahe, die klassische BSC um die Dimension »Lieferanten zu erweitern. Denn hierdurch wird eine hervorragende Basis für das >Number-Crunching<, also die professionelle Zahlen- und Datenbearbeitung und -auswertung im Einkauf geschaffen. Eine Einkaufs-Balanced Scorecard (E-BSC) hat Vorzüge. Sie verschafft den Entscheidern in den Unternehmen mit wenigen Kennzahlen einen Überblick über den Einkauf und erleichtert es ihnen, Unternehmensziele in messbare Einkaufsziele zu übersetzen.

Das Arbeiten mit der E-BSC

Hier einige Tipps, worauf Sie beim Einführen und Arbeiten mit einer EinkaufsBalanced Scorecard in Ihrem Unternehmen achten sollten.

Tipp 1: Sorgen Sie für eine solide Datenbasis.

Die Grundlage für das Formulieren treffsicherer Kennzahlen ist eine Datenbasis von hoher Qualität. Stellen Sie fest, welche Daten Ihnen in welcher Qualität und Form zur Verfügung stehen. Ihre Datenbasis muss konsistent und korrekt sein. Das Ausarbeiten und Einführen einer Einkaufs-Balanced Scorecard ist die Kür des Einkaufscontrollings. Zuvor muss die Pflicht erfüllt sein. Wenn noch keine konsistente und korrekte Datenlage besteht, müssen Sie zunächst für Ordnung sorgen. Denn das ausgefeilteste Kennzahlensystem kann inkonsistente Daten nicht in zufriedenstellende Ergebnisse verwandeln.

Tipp 2: Achten Sie auf ein ausgewogenes Bild des Einkaufs.

Die E-BSC bildet die im Einkauf relevanten Dimensionen >Finanzen<, >Mitarbeiter<, >Lieferanten<, >Kunden< und >interne Prozesse< ab. Achten Sie zur Wahrung der Ausgewogenheit darauf, dass in jeder Dimension etwa die gleiche Anzahl an Kennzahlen verwendet wird. Die Ausgewogenheit der E-BSC ist auch beim Abbilden der einzelnen Dimensionen zu wahren. Wählen Sie nicht nur finanzielle Kennzahlen aus, die die Vergangenheit beleuchten. Ziehen Sie auch Frühindikatoren für künftige Einsparungen hinzu - etwa die Zahl der regelmäßig untersuchten Einkaufsmärkte. 

Tipp 3: Sorgen Sie für das richtige Verhältnis von Aufwand und Nutzen.

Behalten Sie bei der Auswahl der Kennzahlen den nötigen Aufwand für das Erheben und Auswerten der Daten im Auge. Der Aufwand der Erhebung muss im richtigen Verhältnis zum Nutzen der Kennzahlen stehen. Stellen Sie sicher, dass der Großteil der Kennzahlen im alltäglichen Betrieb erhoben werden kann. Stimmt das Verhältnis von Aufwand und Nutzen nicht, werden die Kennzahlen schnell nicht mehr in der erforderlichen Frequenz erhoben und das Projekt droht zu scheitern. Zudem gilt: Das Verwenden von Kennzahlen ist nur sinnvoll, wenn diese auch konsequent als Entscheidungsgrundlage genutzt werden.

Tipp 4: Definieren Sie exakte Kennzahlen.

Ein weiterer Fallstrick, über den Unternehmen häufig stolpern, ist die unsachgemäße Definition der Kennzahlen. Immer wieder konstatiert man in Unternehmen, dass sie Kennzahlen als Entscheidungsgrundlage verwenden, die nicht das messen, was sie vorgeben zu messen. Seien Sie also sorgfältig beim Definieren der Kennzahlen. Schwammige oder ungenaue Definitionen verleiten zu falschen Schlüssen und die haben gravierende Auswirkungen - für den Einkauf und das gesamte Unternehmen. 

Tipp 5: Planen Sie den Projektablauf.

Gehen Sie von Anfang an strukturiert vor, um den Erfolg des Kennzahlensystems zu sichern. Holen Sie Ihre Mitstreiter schon bei der Einführung der E-BSC an Bord, und entwickeln Sie die Kennzahlen mit den relevanten Stakeholdern. So stellen Sie sicher, dass alle Sichtweisen einbezogen werden. Zudem wird so die Machbarkeit der Datenerhebung gewährleistet. Zugleich erhöhen Sie damit die Akzeptanz für das Kennzahlensystem.

Tipp 6: Brechen Sie die Kennzahlen auf die Abteilungen und Mitarbeiter herunter.

Sobald die E-BSC eingeführt ist, sollten Sie die Kennzahlen einsetzen. Übersetzen Sie mit ihrer Hilfe zunächst die Unternehmensziele in Einkaufsziele. Vereinbaren Sie konkrete Kennzahlen als Ziele mit Ihrem Einkaufsleiter. Das macht die Ziele und den Erfolg der jeweiligen Abteilung transparent und messbar. 

Gesamtziele auf alle übertragen

In einem zweiten Schritt können und sollten Sie die Gesamtziele der Einkaufsabteilung auf deren Unterabteilungen und die einzelnen Mitarbeiter übertragen. Der Grad der Zielerreichung auf Mitarbeiterebene erleichtert in Folge Entscheidungen über die Höhe des variablen Vergütungspakets. Um Vergleichbarkeit und Transparenz sicherzustellen, sollten bei der Leistungsmessung aller Mitarbeiter - vom Einkaufsleiter bis zum strategischen Einkäufer - die gleichen Kennzahlen verwendet werden.

Fazit

Mit einer Einkaufs-Balanced Scorecard können Unternehmen einen fundierten Überblick über den Erfolg ihrer Einkaufsabteilung gewinnen. Die EBSC erleichtert den Entscheidern in den Unternehmen zudem das Ableiten und Kommunizieren von Unternehmenszielen und deren Herunterbrechen auf die Einkäuferebene. Wer bei der Einführung und Verwendung der E-BSC die obigen sechs Tipps beachtet, hilft dem Einkauf des Unternehmens zudem, im globalisierten Einkaufsmarkt mit der erforderlichen Professionalität zu agieren.