Tipps für die Entwicklung einer Supply Chain Strategie

Die Supply Chain Strategie ist als individuelles Steuerungsinstrument nachhaltig an einem langfristigen Unternehmenserfolg beteiligt.

Angesichts dessen ist es für Unternehmen essenziell, eine zielführende Supply Chain Strategie zu entwickeln, die auf ihre Prozesse abgestimmt ist.

Hierfür haben wir für Sie hilfreiche Tipps zusammengestellt, die Sie dabei unterstützen, eine passgenaue SCM-Strategie für Ihr Unternehmen zu erarbeiten.

Was ist eine Supply Chain Strategie?

Eine Supply Chain Strategie umfasst Maßnahmen und Ziele, um die Wettbewerbsfähigkeit und Effizienz in der Lieferkette zu optimieren. Sie hat Einfluss auf die gesamten Unternehmensaktivitäten von der Rohstoffbeschaffung bis hin zur Produktauslieferung an die Kunden inklusive der Kollaboration mit vorgelagerten Lieferanten und weiteren Partnern. Aufgrund ihres signifikanten Beitrags bei der Erreichung von Unternehmenszielen wird die Supply Chain Strategie fest in den Unternehmensprozessen verankert und gewinnt zunehmend an Relevanz. 

Die Entwicklung einer Supply Chain Strategie erfolgt individuell, indem sie sich an Unternehmensausrichtung & -zielen sowie Kunden- & Wettbewerbsanforderungen orientiert und sich dynamisch neuen Herausforderungen anpasst.

Beispielhafte Inhalte einer Supply Chain Strategie sind:

  • Die strategische Kooperation mit Lieferanten und Partnern, um die Lieferkette gemeinsam zu optimieren
  • Maßnahmen zur Identifikation und Minderung von Risiken in der Lieferkette bei einem Fokus auf Nachhaltigkeitsanforderungen
  • Richtlinien für das Bestandsmanagement und den Einsatz von Technologien in der Supply Chain

1. Bauen Sie die Supply Chain Strategie auf der Unternehmensstrategie auf

Grundlage jeder SCM-Strategie sollte immer die Unternehmensstrategie sein, die sich aus der Unternehmensvision und den Unternehmenszielen ableitet. In der Unternehmensstrategie werden die Leitlinien des unternehmerischen Handels definiert und konkretisiert. Die Supply Chain Management Ziele und Supply Chain Strategien sollten sich daher direkt aus der Unternehmensstrategie ergeben und diese unterstützen. Über die Unternehmensstrategie wird festgelegt, welche Bereiche und Themen für die Supply Chain relevant sind und welche mit einer geringeren Priorität versehen werden sollten.

Die Supply Chain Strategie übersetzt also die Unternehmensstrategie in einen Rahmen für das operative Supply Chain Management, d. h. in eine Leitlinie für das tägliche Handeln. Sollte keine ausformulierte Unternehmensstrategie existieren, ist es sinnvoll, diese zunächst zu entwickeln, bevor mit der Erstellung der SCM-Strategie begonnen wird.

2. Wie viele Supply Chains haben Sie – und welche Supply Chain Typen?

Bevor mit der eigentlichen Entwicklung einer unternehmensspezifischen Supply Chain Strategie begonnen werden kann, ist die Frage zu beantworten, ob Ihr Unternehmen über eine („one size fits all“) oder mehrere Supply Chains verfügt. So sind möglicherweise nicht nur eine, sondern mehrere SCM-Strategien zu erarbeiten. Grundsätzlich gibt es innerhalb des Supply Chain Managements vier generische Supply Chain Typen:

  • Die schlanke Supply Chain strebt die möglichst kostengünstige Produktion an, z.B. die Produktion von Commodities aller Art
  • Die kollaborative Supply Chain fokussiert die enge Zusammenarbeit mit den Kunden, z.B. Just-in-Time Lieferkonzepte in der Automobilindustrie
  • Die agile Supply Chain passt sich schnell sich stetig ändernden Kundenanforderungen an, z.B. in der Modeindustrie
  • Die flexible Supply Chain bietet flexible SCM Lösungen bei einer Premium-Preisstellung, z.B. im Event-Catering

In vielen Unternehmen mit breiten Sortimenten ist der Regelfall, dass mehrere Supply Chains nebeneinander existieren, z.B. eine schlanke Supply Chain für Commodities und zusätzlich eine flexible Supply Chain für hochpreisige Kundenanforderungen. In diesem Fall trennen Sie die Bereiche und definieren Sie aufgrund der unterschiedlichen Kundenanforderungen jeweils eine eigene Supply Chain Strategie.

Abb. 1: Entwicklung einer SCM-Strategie

3. Sichern Sie sich Top-Management-Unterstützung

Aus drei Gründen ist die Unterstützung des Top-Managements für die SCM-Strategieentwicklung und für die Umsetzung der Strategie essentiell.

  1. Über das Top-Management die SCM-Strategie mit der Unternehmensstrategie verzahnt, sodass am Ende des Prozesses Unternehmensziele und SCM-Ziele in Einklang stehen.
  2. Ihre Supply Chain Strategie hat Auswirkungen auf das ganze Unternehmen, da in dieser SCM Strategie festgelegt wird, welche Bereiche und Themen in Zukunft fokussiert werden sollen. Außerdem wird festgehalten – und das ist der deutlich schwierigere Teil – was in Zukunft von geringerer Priorität sein soll. Daher ist es wahrscheinlich, dass es in Zusammenhang mit der SCM-Strategie im Unternehmen zu Konflikten kommt. Sollten sich diese Konflikte auf einer unteren Ebene nicht lösen lassen, sind diese an das Top-Management zu eskalieren und von diesem zu entscheiden.
  3. Letztendlich kann in der Umsetzungsphase nur das Top-Management sicherstellen, dass die Themen und Initiativen mit den erforderlichen Prioritäten versehen und nachhaltig umgesetzt werden. Binden Sie also daher von Tag 1 an das Top-Management in die SCM-Strategieentwicklung und SCM-Strategieumsetzung intensiv ein.

4. Binden Sie relevante Bereiche in ihr Supply Chain Management ein – vor allem Vertrieb, Marketing und Controlling

Entwickeln Sie Ihre Supply Chain Strategie nicht in Ihrem eigenen SCM-Universum aus z.B. Einkauf, Produktion und Logistik. Bei der SCM-Strategie geht es im Kern darum die Frage zu beantworten, wie die Supply Chain dazu beitragen kann, Kundenanforderungen und Berücksichtigung aller Kostentreiber bestmöglich zu bedienen und somit den Unternehmenserfolg sicherzustellen. Für die Aufnahme und Interpretation von Kundenanforderungen sind Marketing und Vertrieb unerlässlich, ebenso bei der Bewertung der finanziellen Effekte einer erhöhten Supply-Chain-Performance in Form von höheren Preisen oder gesteigerten Absatzmengen. Da bei der Entwicklung von Supply Chain Management Strategien auch ein nicht unerhebliches Zahlenmaterial erforderlich ist, ist weiterhin die Beteiligung des Controllings unabdingbar. Dies gilt für das Zusammentragen der erforderlichen Basisinformationen zu Beginn des Prozesses (Lieferquoten, Lagerbestände, Kostenstrukturen, Absätze, Deckungsbeiträge etc.) ebenso wie für die spätere finanzielle Kosten-Nutzen-Bewertung möglicher Strategien.

5. Priorisieren Sie die Unternehmensziele hinsichtlich ihrer Wichtigkeit für die Supply Chain Strategie

Zu Beginn der Entwicklung der SCM-Strategie steht die Auseinandersetzung mit den Unternehmenszielen. Sofern in der Unternehmensstrategie nicht explizit vermerkt, ist zunächst einmal zu analysieren, welches Unternehmensziel welche Bedeutung für den Unternehmenserfolg hat. So sind z. B. Kundenzufriedenheitsziele möglicherweise höher zu gewichten als andere Ziele. Eine zweite Analysedimension bezieht sich auf die aktuelle Performance des Unternehmens bei den einzelnen Unternehmenszielen, da die zu erarbeitende SCM-Strategie dazu beitragen soll, vor allem die größeren Lücken in Ihrer Supply Chain Performance zu schließen. Letztendlich ist es wichtig, die Relevanz des jeweiligen Unternehmensziels für den Bereich SCM zu beurteilen. In bestimmten Bereichen kann das SCM erheblich zum Unternehmenserfolg beitragen (z.B. bei der Erzielung einer Kostenführerschaft, da ein Großteil der Unternehmenskosten in der Supply Chain entsteht). Bei anderen Unternehmenszielen, z.B. der Entwicklung innovativer Produkte, ist der Beitrag der Supply Chain eher geringer. Aus der ganzheitliche Betrachtung der drei genannten Faktoren ergibt sich dann die relative Wichtigkeit des jeweiligen Unternehmensziels für die SCM-Strategie.

6. Wählen Sie für die SCM-Strategie Ihre SCM-Ziele aus

In einer Matrix können nun die SCM-Zieldimensionen und die priorisierten Unternehmensziele gegenübergestellt werden. Wenn immer eine Zieldimension zur Erreichung eines Unternehmensziels einen erheblichen Beitrag leisten kann, sollten ein oder sogar mehrere entsprechende SCM-Ziele aus dieser Zieldimension im Rahmen Ihrer SCM -Strategie definiert werden. Ein SCM-Ziel aus der Zieldimension „Kosten“ könnte dabei zum Beispiel sein: „Kontinuierliche, jährliche Verbesserung der Supply Chain Kosten pro Einheit“. Grundsätzlich sollte die Devise gelten: „Weniger ist mehr“, insgesamt sollte das SCM-Zielsystem zur besseren Übersichtlichkeit nicht zu viele SCM-Ziele enthalten. Die Kunst ist, nur wirklich relevante Ziele für eine effiziente Supply Chain auszuwählen.

7. Definieren Sie ein Kennzahlensystem für Ihre SCM-Strategie

Nach der Definition der SCM-Ziele ist die nächste Aufgabe, die ausgewählten Ziele über Supply Chain KPIs operationalisierbar zu machen und diese SCM KPIs in einem Kennzahlensystem zu strukturieren. Die Herausforderung hierbei ist, die Deckungsgleichheit zwischen SCM-Ziel und Kennzahlen herzustellen, da eine Kennzahl vielfach nur einen Teilbereich des definierten Ziels abdeckt. Eine Verknüpfung mehrerer Supply Chain KPIs zu einer Masterkennzahl ist dabei nicht in allen Fällen möglich. Zudem besteht eine weitere Herausforderung darin, dass die Supply Chain KPIs auf die einzelnen Unternehmensbereiche kaskadiert, also heruntergebrochen werden sollten, damit der Wertschöpfungsbeitrag jeder einzelnen Abteilung erkennbar wird. Zusätzlich sind für jede SCM KPI der Startwert, der Zielwert mit Zeithorizont sowie das Messintervall und die exakte Berechnungsformel vorzugeben. Im Ergebnis erhalten Sie ein durchgängiges Kennzahlensystem, über das Sie die Supply Chain Strategieumsetzung steuern.

8. Operationalisieren Sie die SCM-Strategie durch konkrete Maßnahmenpläne

Da zahlreiche SCM-Strategien den Status der Konzeption nicht verlassen und nicht oder nur rudimentär im Rahmen des Supply Chain Managements umgesetzt werden, steht am Ende der Strategieentwicklung die Operationalisierung der SCM-Strategie in Form von Maßnahmenplänen, getreu dem Motto: „Es gibt nichts Gutes, außer man tut es“. In den Maßnahmenplänen wird beschrieben, wie die SCM-Strategie konkret und im Detail umgesetzt werden soll. Dazu werden Maßnahmen definiert, die bis auf die Ebene einzelner Aktivitäten heruntergebrochen werden. Für jede Maßnahme, aber auch für jede einzelne Aktivität, sind klare Verantwortlichkeiten und Deadlines zu definieren – „Wer macht was bis wann?“. Zusätzlich anzugeben sind eventuelle Investitionsbedarfe sowie die erwarteten Ergebniseffekte im Zeitverlauf.

9. Halten Sie die Umsetzung konsequent nach

Nachdem die erste Umsetzungseuphorie verflogen ist, lässt das Momentum in vielen Projekten häufig nach. Hier setzt das Maßnahmencontrolling an, das primär zwei Aspekte umfasst: Das Aktivitäten-Controlling überprüft, inwieweit die Verantwortlichen die vorgesehenen Aktivitäten auch durchgeführt haben. Im Gegensatz dazu überprüft das Ergebnis-Controlling, ob die eingeplanten Ergebniseffekte auch realisiert wurden. Für das Ergebniscontrolling der Maßnahmenumsetzung hat es sich bewährt, eine Härtegradlogik zu verwenden, die anzeigt, in welchen Status sich die erwarteten Ergebnisbeiträge befinden. Da das Supply Chain Controlling regelmäßig einen größeren zeitlichen Einsatz erfordert, sind hierzu dediziert Ressourcen vorzusehen.

Maßnahmencontrolling

10. Fokussieren Sie die Kernaussagen Ihrer SCM-Strategie in einem einprägsamen Statement

Nach Abschluss der Entwicklung Ihrer SCM-Strategie sollten Sie die Kernaussagen Ihrer SCM-Strategie in einem einprägsamen Statement fokussieren. Dies ist einfacher gesagt als getan. Vermeiden Sie in diesem Statement generische Aussagen – viele Statements zur Wertschöpfungskette sind so austauschbar verfasst, dass sie sich nur schwerlich einem Unternehmen zuordnen lassen, wenn man nicht weiß, um welches Unternehmen es sich handelt. Beschreiben Sie prägnant, wodurch sich Ihre Supply Chain von den Supply Chains Ihrer Wettbewerber unterscheidet. Was macht Ihre Supply Chain überlegen? Was macht Sie einzigartig?

Fazit und Ausblick

Erfolgreiche Unternehmen entwickeln für sich eine dedizierte SCM-Strategie, stringent abgeleitet aus der Unternehmensstrategie und aus Kundenanforderungen. Diese SCM-Strategie stellt sicher, dass die Ressourcen sich fokussiert mit den richtigen Fragestellungen beschäftigen. Ferner werden die Voraussetzungen dafür geschaffen, dass die Mannschaft in die gleiche Richtung läuft und weniger relevante Themen mit einer geringeren Priorität oder gar nicht behandelt werden. Bei der Entwicklung der SCM-Strategie ist darauf zu achten, dass die maßgeblichen Stakeholder wie Top-Management, Vertrieb und Marketing sowie Controlling einbezogen werden. Darüber hinaus ist bei der Ausarbeitung der SCM-Strategie auf die Auswahl der wirklich relevanten SCM-Ziele zu achten. Schlussendlich gilt es, die SCM-Strategie über Supply Chain KPIs umzusetzen. Dies lässt sich mithilfe von abgestimmten und nachgehaltenen Maßnahmenpläne sicherstellen.

 

Sie benötigen Unterstützung in der Entwicklung Ihrer Supply Chain Strategie? Wir helfen Ihnen gerne.

Unsere Dienstleistungen im Bereich Supply Chain Strategie