Tipps für die Entwicklung einer SCM-Strategie – Teil II

Im ersten Teil unserer Serie haben wir die ersten fünf Tipps für die Entwicklung einer passgenauen SCM-Strategie vorgestellt. Wer diese und die Ratschläge im vorliegenden zweiten und abschließenden Teil befolgt, kann zukünftig von einer robusten Wertschöpfungskette profitieren.

6. Wählen Sie für die SCM-Strategie Ihre SCM-Ziele aus

In einer Matrix können nun die SCM-Zieldimensionen und die priorisierten Unternehmensziele gegenübergestellt werden. Wenn immer eine Zieldimension zur Erreichung eines Unternehmensziels einen erheblichen Beitrag leisten kann, sollten ein oder sogar mehrere entsprechende SCM-Ziele aus dieser Zieldimension im Rahmen Ihrer SCM -Strategie definiert werden. Ein SCM-Ziel aus der Zieldimension „Kosten“ könnte dabei zum Beispiel sein: „Kontinuierliche, jährliche Verbesserung der Supply Chain Kosten pro Einheit“. Grundsätzlich sollte die Devise gelten: „Weniger ist mehr“, insgesamt sollte das SCM-Zielsystem zur besseren Übersichtlichkeit nicht zu viele SCM-Ziele enthalten. Die Kunst ist, nur wirklich relevante Ziele für eine effiziente Supply Chain auszuwählen.

7. Definieren Sie ein Kennzahlensystem für Ihre SCM-Strategie

Nach der Definition der SCM-Ziele ist die nächste Aufgabe, die ausgewählten Ziele über Supply Chain KPIs operationalisierbar zu machen und diese SCM KPIs in einem Kennzahlensystem zu strukturieren. Die Herausforderung hierbei ist, die Deckungsgleichheit zwischen SCM-Ziel und Kennzahlen herzustellen, da eine Kennzahl vielfach nur einen Teilbereich des definierten Ziels abdeckt. Eine Verknüpfung mehrerer Supply Chain KPIs zu einer Masterkennzahl ist dabei nicht in allen Fällen möglich. Zudem besteht eine weitere Herausforderung darin, dass die Supply Chain KPIs auf die einzelnen Unternehmensbereiche kaskadiert, also heruntergebrochen werden sollten, damit der Wertschöpfungsbeitrag jeder einzelnen Abteilung erkennbar wird. Zusätzlich sind für jede SCM KPI der Startwert, der Zielwert mit Zeithorizont sowie das Messintervall und die exakte Berechnungsformel vorzugeben. Im Ergebnis erhalten Sie ein durchgängiges Kennzahlensystem, über das Sie die Supply Chain-Strategieumsetzung steuern.

8. Operationalisieren Sie die SCM-Strategie durch konkrete Maßnahmenpläne

Da zahlreiche SCM-Strategien den Status der Konzeption nicht verlassen und nicht oder nur rudimentär im Rahmen des Supply Chain Managements umgesetzt werden, steht am Ende der Strategieentwicklung die Operationalisierung der SCMStrategie in Form von Maßnahmenplänen, getreu dem Motto: „Es gibt nichts Gutes, außer man tut es“. In den Maßnahmenplänen wird beschrieben, wie die SCM-Strategie konkret und im Detail umgesetzt werden soll. Dazu werden Maßnahmen definiert, die bis auf die Ebene einzelner Aktivitäten heruntergebrochen werden. Für jede Maßnahme, aber auch für jede einzelne Aktivität, sind klare Verantwortlichkeiten und Deadlines zu definieren – „Wer macht was bis wann?“. Zusätzlich anzugeben sind eventuelle Investitionsbedarfe sowie die erwarteten Ergebniseffekte im Zeitverlauf.

9. Halten Sie die Umsetzung konsequent nach

Nachdem die erste Umsetzungseuphorie verflogen ist, lässt das Momentum in vielen Projekten häufig nach. Hier setzt das Maßnahmencontrolling an, das primär zwei Aspekte umfasst: Das Aktivitäten-Controlling überprüft, inwieweit die Verantwortlichen die vorgesehenen Aktivitäten auch durchgeführt haben. Im Gegensatz dazu überprüft das Ergebnis-Controlling, ob die eingeplanten Ergebniseffekte auch realisiert wurden. Für das Ergebniscontrolling der Maßnahmenumsetzung hat es sich bewährt, eine Härtegradlogik zu verwenden, die anzeigt, in welchen Status sich die erwarteten Ergebnisbeiträge befinden. Da das Supply Chain Controlling regelmäßig einen größeren zeitlichen Einsatz erfordert, sind hierzu dediziert Ressourcen vorzusehen.

Abb. 1: Härtegradlogik

10. Fokussieren Sie die Kernaussagen Ihrer SCM-Strategie in einem einprägsamen Statement

Nach Abschluss der Entwicklung Ihrer SCM-Strategie sollten Sie die Kernaussagen Ihrer SCM-Strategie in einem einprägsamen Statement fokussieren. Dies ist einfacher gesagt als getan. Vermeiden Sie in diesem Statement generische Aussagen – viele Statements zur Wertschöpfungskette sind so austauschbar verfasst, dass sie sich nur schwerlich einem Unternehmen zuordnen lassen, wenn man nicht weiß, um welches Unternehmen es sich handelt. Beschreiben Sie prägnant, wodurch sich Ihre Supply Chain von den Supply Chains Ihrer Wettbewerber unterscheidet.
Was macht Ihre Supply Chain überlegen? Was macht Sie einzigartig?

Fazit

Erfolgreiche Unternehmen entwickeln für sich eine dedizierte SCM-Strategie, stringent abgeleitet aus der Unternehmensstrategie und aus Kundenanforderungen. Diese SCM-Strategie stellt sicher, dass die Ressourcen sich fokussiert mit den richtigen Fragestellungen beschäftigen. Ferner werden die Voraussetzungen dafür geschaffen, dass die Mannschaft in die gleiche Richtung läuft und weniger relevante Themen mit einer geringeren Priorität oder gar nicht behandelt werden. Bei der Entwicklung der SCM-Strategie ist darauf zu achten, dass die maßgeblichen Stakeholder wie Top-Management, Vertrieb und Marketing sowie Controlling einbezogen werden. Darüber hinaus ist bei der Ausarbeitung der SCM-Strategie auf die Auswahl der wirklich relevanten SCM-Ziele zu achten. Schlussendlich gilt es, die SCM-Strategie über Supply Chain KPIs umzusetzen. Dies lässt sich mithilfe von abgestimmten und nachgehaltenen Maßnahmenpläne sicherstellen.