Einkaufsoptimierung /

Mitarbeiter in die Reorganisation eingebunden

Steigende Fluggastzahlen in München haben die Tochtergesellschaft des Flughafens Eurotrade zu einer Restrukturierung ihrer Einkaufsorganisation veranlasst. Jetzt will man den Kunden ein besseres Shoppingerlebnis bieten.

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Es war das Jahr 1973: Die erste weltweite Ölkrise sorgte für leere Autobahnen und weniger Passagiere bei den Airlines. Ausgerechnet in diesem Jahr entschloss sich der Münchner Unternehmer Herbert Wolter, die Flughafen Handelsgesellschaft (FHG) zu gründen, am Münchner Flughafen einen Laden zu eröffnen und dort zollfreie Duty-Free-Erzeugnisse und Zeitungen zu verkaufen. Schon ein Jahr später erholte sich die Branche, und von da an ging es bis Anfang der Achtzigerjahre mit Zuwachsraten zwischen vier und acht Prozent stetig nach oben.

Duty-Free-Shop der eurotrade (Quelle: eurotrade)
Duty-Free-Shop der eurotrade (Quelle: eurotrade)

Längst ist aus dem Einzelhändler von damals ein mittelständisches Unternehmen mit über 1.200 Beschäftigten geworden. Die Zahl der Passagiere hat sich seither auf mehr als 42 Millionen im vergangenen Jahr verzehnfacht. Im Jahr 2000 wurde Wolters Unternehmen in Eurotrade umbenannt, der Flughafen München stieg als Gesellschafter ein und wurde 2008 zum 100-prozentigen Eigentümer. Inzwischen betreibt Eurotrade 64 Geschäfte auf mehr als der Hälfte der Handelsfläche und erwirtschaftet rund 73 Prozent des gesamten Einzelhandelsumsatzes. In vier Sparten, mit Presse und Reisebedarf, Uhren und Schmuck sowie Fashion und Duty Free, wird Geld verdient. Auch am Regionalflughafen Friedrichshafen am Bodensee betreibt Eurotrade das Geschäft mit dem zollfreien Einkauf.

So wie der Flughafen wuchs auch die Logistik für den Ein- und Verkauf mit. Doch als vor zwei Jahren beschlossen wurde, eine neue Infrastruktur für die IT-Prozesse einzuführen, nahm man auch die Einkaufsprozesse unter die Lupe. Dabei ging es insbesondere darum zu prüfen, ob die heutigen Einkaufsprozesse noch zu den künftigen Anforderungen im Handel passen. Der nun folgende Restrukturierungsprozess war sehr komplex: „Deshalb haben wir die Hilfe der auf solche Themen spezialisierten Unternehmensberatung Höveler Holzmann Consulting genutzt“, so Brigitte Schiepel, Leiterin Strategie /Projekte.

 

Mehr Verantwortung für die Mitarbeiter

Wir haben zunächst mit allen Beteiligten strukturierte Interviews geführt, um einen Rundumblick über die Einkaufsorganisation zu bekommen“, schildert Patricia Kuttig von der Düsseldorfer Consultingfirma Höveler Holzmann die Vorgehensweise. „Wichtig ist in solchen Prozessen, die Mitarbeiter einzubeziehen und ihnen die Angst vor möglichen Veränderungen zu nehmen.“ Im Ergebnis der Restrukturierung wurde dann zunächst der Einkauf strategisch ausgerichtet. „Darunter fallen jetzt etwa alle Jahresgespräche mit den Lieferanten.

Danach folgte die operative Verbesserung,eine Vielzahl von Abläufen wurde standardisiert und Dispositionsaufgaben in einer Abteilung gebündelt. „Das Category-Management haben wir zu einer eigenständigen Einheit formiert und auf eine neue Stufe neben den Einkauf und Vertrieb gestellt. Damit erhalten diese Mitarbeiter mehr Verantwortung und Entscheidungsfreiheit bei der Auswahl der Produkte in den einzelnen Läden“, so Kuttig. Dafür werden künftig auch die kontinentalen Passagierzahlen, die von der Flughafengesellschaft kommen, gründlicher analysiert und dazu genutzt, das Produktsortiment darauf auszurichten.

Duty-Free-Shop der eurotrade (Quelle: eurotrade)
Duty-Free-Shop der eurotrade (Quelle: eurotrade)

Wir wollen der internationalen Kundschaft besser gerecht werden“ - Interview mit Christian Wallner, Geschäftsführer eurotrade GmbH

Unternehmeredition: Herr Wallner, welche Effekte erhofften Sie sich von der Restrukturierung Ihres Einkaufs?

Wallner: Wir wollen die Flugpassagiere noch besser und individueller bedienen und vor allem den Wünschen und Bedürfnissen unserer internationalen Kundschaft gerecht werden. Das Reiseerlebnis Fliegen beginnt nun mal fast immer mit einem Einkauf bei uns, sei es vor oder nach dem Check-in.

Wie planen Sie das Sortiment für die internationale Kundschaft?

Wir werden stärker schauen, welche Marken von den einzelnen Nationalitäten nachgefragt sind. Für chinesische Flugpassagiere ist Made in Germany ein wichtiges Qualitätsmerkmal, arabische Fluggäste bevorzugen Luxusmarken. Hinzu kommen höhere Anforderungen an die Sicherheit auf den Flughäfen, was den Erwerb gewisser Gegenstände, wie beispielsweise Besteckmesser oder Taschenmesser, betrifft. So prüfen wir derzeit die Themen Homedelivery und Preordering.

Wie wollen Sie die Ergebnisse aus der Restrukturierung weiter nutzen?

Unser Anspruch ist es, mit dem Wachstum des Flughafens mitzuhalten und die Qualität unseres Angebotes sowie die Zufriedenheit der Kunden mit digitalen Services zu steigern.

 

Über den Autor:

Torsten Holler, Wirtschaftsjournalist im Auftrag der Unternehmeredition.

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